Chronischer Stress und seine Folgen für die Frauengesundheit: Warum Nervensystem- und Entzündungsregulation wichtige Schlüssel für hormonelle Balance und ganzheitliche Gesundheit sind

15.07.26 | Frauengesundheit, Mindset & Selfcare | 0 Kommentare

Wir leben in einer Zeit, in der Frauen immer häufiger unter gesundheitlichen Beschwerden leiden, sowohl in jungen Jahren als auch ältere Semester. Zyklusstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, Endometriose, Erschöpfung, Wechseljahresbeschwerden oder chronische Erkrankungen sind längst keine Seltenheit mehr. Gleichzeitig fühlen sich viele Frauen dauerhaft gestresst, funktionieren im Alltag und versuchen, allen Anforderungen gerecht zu werden. Stress ist für viele normal geworden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Stress seit Jahren als eine der größten Gesundheitsherausforderungen unserer Zeit an. Der kurzfristige Stress ist dabei nicht das Problem, sondern der chronische Stress und seine Folgen für die Frauengesundheit.

Was dabei oft übersehen wird: Unser Nervensystem beeinflusst nahezu alle Prozesse im Körper: unseren Hormonhaushalt, Immunsystem, Verdauung und Fruchtbarkeit. Chronischer Stress kann deshalb weit mehr sein als nur ein Gefühl der Überforderung. Er kann ein entscheidender Faktor sein, wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät.

Natürlich gibt es für gesundheitliche Beschwerden viele mögliche Ursachen, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Doch immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem viele Erkrankungen begünstigen oder bestehende Beschwerden verstärken kann.

Die gute Nachricht ist: Unser Nervensystem ist lernfähig. Es lässt sich Schritt für Schritt wieder in Balance bringen. Genau hier liegt ein oft unterschätzter Ansatz, um Gesundheit nachhaltig zu fördern. Nicht indem wir Symptome unterdrücken, sondern indem wir unserem Körper wieder die Bedingungen schenken, die er für Regeneration und Heilung braucht.

In diesem Artikel erfährst du, wie Stress auf deinen Körper wirkt, warum Frauen besonders sensibel auf chronische Belastung reagieren und was du selbst tun kannst, um wieder in einen Zustand von Ruhe, Balance und Gesundheit zurückzufinden.

Was ist Stress?

Stress ist die subjektive Wahrnehmung einer Bedrohung unseres körperlichen oder psychischen Wohlbefindens und der Einschätzung, dem nicht gewachsen zu sein. Ob wir uns gestresst fühlen oder nicht, hängt von unserer persönlichen Wahrnehmung ab. Was mich stresst, muss nicht zwangsläufig auch dich stressen. Das bedeutet, es geht darum, wie jeder Mensch Situationen im Leben interpretiert.

Grundsätzlich bringt jeder Mensch eine Stressresistenz mit und wir sind auch dafür gemacht, Stress auszuhalten  – solange das Gleichgewicht zwischen Belastung und Entspannung stimmt.

 

Unser natürliches internes Notfallprogramm

Zu Beginn der Menschheitsgeschichte waren unsere Vorfahren vielen lebensbedrohlichen Situationen für Leib und Leben wie Hunger, Feinde, Naturgewalten oder Raubtieren ausgesetzt. Um diese Gefahren rechtzeitig zu erkennen und unser Überleben zu sichern, hat uns Mutter Natur mit körperlichen Vorgängen ausgestattet.

Wir Menschen sind so gemacht, dass wir über unsere Sinnesorgane wie Augen, Nase, Ohren, Mund, Haut unsere Umwelt wahrnehmen.

  1. Über unsere Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken) gelangen Informationen ins Gehirn.
  2. Dort werden sie eingeordnet in: Bin ich in Gefahr oder Sicherheit?
  3. Je nach Einordnung in „Gefahr“ oder „Sicherheit“ wird einer der 2 Bereiche des Autonomen Nervensystems aktiviert, um unser Überleben zu retten oder entspannt zu bleiben.

 

Wie unser Nervensystem funktioniert

Das zentrale Nervensystem besteht aus Gehirn und Rückenmark, die das Gehirn mit allen Organen verbindet. Das Gehirn stellt dabei die Steuerungszentrale dar, indem es Sinneseindrücke auswertet sowie denkt, plant fühlt, erinnert und Bewegungen kontrolliert. Das Rückenmark ist sozusagen der verlängerte Arm des Gehirns, welches Informationen aus dem Gehirn in den Körper transportiert und umgekehrt.

Die Nerven, welche außerhalb von Gehirn und Rückenmark verlaufen, bilden das periphere Nervensystem. Es durchzieht den gesamten Körper: Arme, Beine, Muskeln, Organe. 

Innerhalb des peripheren Nervensystems unterscheidet man das somatische Nervensystem (Steuerung von Bewegungen) und das vegetative (autonome) Nervensystem (Steuerung aller automatischen Prozesse wie Herzschlag, Atmung, Verdauung, Blutdruck).

Das autonome Nervensystem wird in den Sympathikus und Parasympathikus aufgeteilt:

  • Der Sympathikus wird bei Stress aktiviert (Kampf- oder Fluchtmodus, Stressreaktion)
  • Der Parasympathikus ist der Gegenspieler und für Erholung und Regeneration zuständig (Ruhe- und Verdauungsmodus, Entspannungsreaktion).

Um das Nervensystem besser zu verstehen, malen wir uns ein Bild: Das Nervensystem einer Katze – das genauso funktioniert wie unseres.

Beispiel: das Nervensystem einer Katze

  • Eine Katze ruht sich in der Einfahrt vor dem Haus in der Sonne aus. Sie genießt die Wärme und entspannt sich. Jetzt gerade befindet sich die Katze im parasympathischen Nervensystem (dem Entspannungsmodus).
  • Plötzlich kommt der Nachbarshund angelaufen und fängt laut zu bellen an. Die Katze fühlt sich bedroht.
  • Die Katze schaltet sofort in ihren Überlebensmodus – den Kampf- oder Fluchtmodus. Ihre Muskeln spannen sich an, der Herzschlag beschleunigt sich, sie bereitet sich darauf vor, sich zu verteidigen. Da es sich um einen Hund handelt, entscheidet sich die Katze zu fliehen. Sie rennt davon, springt über den Gartenzaun und befindet sich nun im eingezäunten Garten, wo sie sicher vor dem bellenden Hund ist.
  • Sie erkennt, dass sie in Sicherheit ist, entspannt sich, kehrt zurück in die Ruhe und entspannt sich wieder in der Sonne. Die Atmung wird tief, der Herzschlag verlangsamt sich, die Muskeln entspannen sich wieder.

Tiere machen das instinktiv. Sie wechseln zwischen dem sympathischen (Stress) und parasympathischen (Entspannung) Nervensystem hin und her.

 

Die Stressreaktion: Was im Körper bei Stress passiert

Wenn das Gehirn etwas als eine Bedrohung einordnet, wird eine Kaskade an biologischen Prozessen in Gang gesetzt, um den Körper aus einem entspannten Zustand in einen Zustand höchster Wachsamkeit und Energie zu versetzen: um zu kämpfen oder zu flüchten. Dabei spielen Stresshormone eine zentrale Rolle. 

Adrenalin, das akute Stresshormon

Es teilt den Körperzellen mit, dass wir in Lebensgefahr schweben (auch wenn das objektiv betrachtet vielleicht gar nicht stimmt). Es leitet die Kampf- und Fluchtreaktion (Fight-or-Flight Response) ein und soll uns aus der Gefahrenzone retten. Adrenalin und Noradrenalin werden im Nebennierenmark gebildet und dienen der Kurzzeitwirkung. Sie werden in einem Schreckmoment ausgeschüttet.

  • Der Blutzuckerspiegel steigt an und stellt Energie bereit, Blutdruck und Puls steigen an, Muskeln spannen sich an.
  • Nicht lebensnotwendige Körperfunktionen wie Verdauung oder Fortpflanzung sowie das Immunsystem werden heruntergefahren

Die Reaktion des Körpers auf akuten Stress ist also sinnvoll, weil es unser Überleben sichert. Dieser Zustand wird solange aufrechterhalten, bis die „Gefahr“ vorüber ist. Danach normalisieren sich im Idealfall die Körperfunktionen wieder.  Und der Körper kommt zur Ruhe. Das übernimmt der Parasympathikus und der Ruhe- und Reparaturmodus (Rest-and-Digest Response) wird eingeschaltet.

Wenn jedoch die Stressbelastung länger anhält, dann wird der Körper überfordert, weil er sich in einem dauerhaften Belastungszustand (Sympathikus-Dominanz) befindet.

 

Cortisol, das Langzeitstresshormon

Cortisol hat die Aufgabe, dem Körper zu helfen, mit lang anhaltendem Stress fertig zu werden, indem es dafür sorgt, dass das sympathische Nervensystem aktiviert bleibt. Das beeinflusst den Energiestoffwechsel, Entzündungsprozesse, Immunsystem, Verdauung und Blutzuckerspiegel. 

In der Entwicklungsgeschichte war Nahrungsmittelknappheit der einzige Langzeitstress, dem Menschen ausgesetzt waren. Heute ist es unser Gedankenkarussell, das uns von morgens bis abends in Wallung und somit im Dauerstressmodus festhält. Alleine Gedanken (finanzielle Sorgen, Beziehungsprobleme, Selbstwertthemen, etc.) reichen aus und der Körper reagiert mit einer erhöhten Cortisolproduktion. 

 

Ist Cortisol Freund oder Feind? Beides!

Die Biochemikerin Dr. Libby Weaver schreibt in ihrem Buch „Das Rushing Woman Syndrom“: 

„In richtigen Mengen tut Cortisol der Gesundheit nämlich in vielerlei Hinsicht sehr gut. Zum Beispiel ist das Hormon einer der wichtigsten Botenstoffe im Körper, um Entzündungen zu lindern. Sobald im Körper eine Entzündungsreaktion abläuft, wird Cortisol in Kortison umgewandelt und dieses führt dazu, dass wir weniger steif sind und weniger Schmerzen empfinden […] In richtigen Mengen wirkt Cortisol nicht nur Entzündungsreaktionen entgegen, sondern puffert auch die Insulinwirkung ab, damit wir weiterhin Fett in Energie umwandeln und den Blutzuckerspiegel ohne starke Schwankungen stabil halten.“

Der Cortisolspiegel verändert sich während des Tages und in richtigen Mengen unterstützt Cortisol wichtige Körperfunktionen.

 

Burnout der Nebennieren

Was bedeutet das für den Körper?

Befindet sich der Körper jahrelang in einem dauerhaften Stressmodus, führt das zu Erschöpfung. Nicht nur zu einem wahrgenommenen Erschöpfungsgefühl, sondern es kommt auch zu einer Erschöpfung der Nebennieren. Nach einer jahrelang hohen Cortisolausschüttung sind die Nebennieren dieser Dauerbelastung nicht mehr gewachsen. Sie „brennen“ aus. Dr. Libby Weaver beschreibt ihre Beobachtungen der letzten Jahre folgendermaßen:

„Das Hauptsyndrom ist extreme, anhaltende Müdigkeit. Nach allem, was ich in den letzten zehn Jahren beobachtet habe, sind die betroffenen Frauen nicht nur abgrundtief müde, sondern häufig zugleich aufgedreht. Dieses Gefühl, angespannt und abgespannt zugleich zu sein, bedeutet, dass man sich inständig danach sehnt, endlich mal wieder gründlich auszuschlafen.“

 

Zu viel ist zu viel – wenn der Körper gerät aus dem Gleichgewicht

Bei chronischem Stress und damit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen kommt es jedoch zu einer Veränderung des Gehirns und der Körperchemie. Es baut sich eine allostatische Last (Überbeanspruchung, Abnutzung) auf. Der Körper ist überlastet und gerät aus dem Gleichgewicht.

 

Das Erbe unserer Vorfahren

Wenn wir heute Stress erleben, reagiert unser Körper genau gleich, so als würde der Säbelzahntiger vor uns stehen. Es wird also die gleiche Stressreaktion in Gang gesetzt und das unabhängig davon, ob eine reale Gefahr droht wie zB ein bellender Hund der auf dich zu läuft oder ob du dir Sorgen machst, etwas aus Zeitmangel nicht zu schaffen oder dir etwas nicht zutraust. oder du Probleme in der Arbeit oder in der Partnerschaft hast. Und diese Stressreaktion schaltet bei vielen Menschen nicht mehr ab. Sie wird zum Dauerzustand. Und dieser Dauerstress hinterlässt Spuren.

Stressreaktion

Stress früher vs. heute

Unser Stress beruht aber meist nicht, wie bei der Katze, auf einer realen Gefahr wie ein bellender Hund, sondern hat mit unseren Gedanken zu tun. So wie wir unsere Welt wahrnehmen und interpretieren. Diese Bedrohung kann eine reale Gefahr sein zB ein bellender Hund, ein heran rasendes Auto oder ein cholerischer Chef. Diese Bedrohung kann auch eine fiktive Bedrohung sein d.h. etwas, dass sich in der Vergangenheit oder Zukunft abspielt und durch Bilder in unseren Köpfen entsteht.

Beispiel: Du kannst es dir auch so vorstellen: Du sitzt auf der Couch und es rattert in deinem Gehirn, was du noch alles machen sollst oder du grübelst, was da oder dort im schlimmsten Fall passieren könnte. Das hält dich in Wallung.

Und auch wenn du auf der Couch sitzt, bist du nicht in Ruhe, weil dein Kopf ununterbrochen arbeitet und wenn dein Gehirn eine Bedrohung wahrnimmt, auch wenn sie nur in deinem Kopf ist, wird dein Körper in den Überlebensmodus versetzt, sprich die Stressreaktion in Gang gesetzt. Weil dein Organismus den Job hat, dich zu retten und vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Unser Gehirn kann nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Und hier liegt einer der größten Hebel, wenn es um Stressmanagement geht: unser Mindset.

Unser Gehirn Fiktion vs Realität

Stress ist im Grunde etwas Positives und wichtig für unser Überleben. Das war vor allem überlebensnotwendig für unsere Vorfahren aus der Steinzeit, da sie nahezu tagtäglich lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt waren wie zB Raubtiere, Naturgewalten, Feinde oder Hunger. Und diese Stressreaktion haben wir vererbt bekommen und ist noch heute aktiv.

Heute sind wir den Gefahren aus der Steinzeit wie Säbelzahntiger, Feinde oder Hungersnot natürlich nicht mehr ausgeliefert. Aber wir haben es mit einer anderen Gefahr zu tun: die Gefahren der heutigen Digitalzeit:

  • Mentaler Stress wie Termindruck, Überforderung, Erwartungsdruck, hohe Ansprüche an uns selbst, ständige Erreichbarkeit durch das Smartphone, Informations- und Reizüberflutung durch Social Media
  • Emotionaler Stress wie Selbstzweifel, Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle, Sorgen und Ängste
  • Körperlicher Stress wie Nährstoffmangel, Umweltgifte, Schlafmangel, Entzündungen aufgrund von Übersäuerung, etc.

All das führt dazu, dass wir in einem permanenten Stressmodus verharren. Kurzfristig können wir Stress gut kompensieren, ohne dass unser Körper Schaden nimmt. Doch langanhaltender Stress bringt körperliche Systeme durcheinander – darunter das Nervensystem, Hormonsystem, Verdauungssystem und Immunsystem. Wer chronisch gestresst ist, hat ein höheres Risiko für stressbedingten Erkrankungen.

Gerade der Körper einer Frau reagiert sehr sensibel auf Stress. Zyklusstörungen wie PMS, Unfruchtbarkeit oder Endometriose, Wechseljahresbeschwerden, chronische Entzündungen, Erschöpfung, Depressionen können die Folge sein.

Die Entspannungsreaktion: aus dem Überlebensmodus zurück in den Lebensmodus

Sobald eine reale oder in Gedanken erzeugte Gefahr vorüber ist, kehrt der Körper über die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems zurück in einen entspannten Zustand, wo sich der Körper wieder diversen Körperfunktionen wie Verdauung und Regenerationsprozesse kümmern kann. Dabei spielt der Vagusnerv die Hauptrolle und seine Aktivierung hilft, Stress zu reduzieren und den Körper zurück in Balance zu bringen. 

 

Die Rolle des Vagusnervs als Entspannungsschalter

Der Vagusnerv (10. Hirnnerv) ist der längste Nerv des autonomen Nervensystems, welcher das Gehirn mit zahlreichen Organen verbindet. Er entspringt dem Hirnstamm und zieht sich über den Halsbereich nach unten und verzweigt sich im Körper u.a. Lunge, Leber, Milz, Magen, Niere, Darm.

 

Die Hauptaufgabe des Vagusnervs als Gegenspieler zur Stressreaktion: 

  • Senkung der Herzfrequenz und Förderung einer besseren Herzfrequenzvariabilität (HRV): Eine hohe HRV ist ein Hinweis für eine gute Stressresilienz (Widerstandskraft)
  • Regulierung der Atmung: Langsame und tiefe Atemzüge beruhigen das Nervensystem
  • Förderung der Verdauung: Verdauungsprobleme stehen in Zusammenhang mit chronischem Stress, da dieser die Darmtätigkeit hemmt. 
  • Stärkung des Immunsystems: Der Vagusnerv kann entzündungshemmende Stoffe (wie IL-10) fördern und entzündungsfördernde Stoffe wie TNF-Alpha reduzieren.
  • Bessere Gehirnfunktion: Der Vagusnerv kann helfen, die Stimmung zu verbessern und Ängste zu lindern.

Ein gestärkter Vagusnerv hilft uns, aus dem Stressmodus in den Entspannungsmodus zu wechseln und ist wichtig für körperliches und mentales Gleichgewicht. 

 

Wenn die Erholungsphase ausfällt

Wenn die Erholungsphase ausfällt, verweilen wir in einer dauerhaften Stressreaktion. Die Stressreaktion, welche eigentlich nur kurz andauern sollte, wird nie richtig abgeschaltet. Fehlt nach einer Stressreaktion (Fight-or-Flight), die für den Akutfall gedacht ist, die darauffolgende Entspannungsphase, wo sich der Körper wieder regulieren kann (Homöostase), dann bleibt der Körper im Stressmodus stecken.

 

Was ist die Folge?

Das Nervensystem erhält nicht das Signal für Sicherheit. Das Parasympathische Nervensystem (Entspannungsmodus) wird nicht aktiviert. In diesem Stresszustand liegt der Fokus des Körpers instinktiv auf Bewältigung und Überleben, also auf überlebensnotwendige Körperfunktionen wie Fokus, erhöhter Puls, Anspannung der Muskeln.  Auf der anderen Seite werden nicht-lebensnotwendige Körperfunktionen wie Immun-, Verdauungs- und Fortpflanzungssystem gehemmt, denn im Überlebensmodus liegt der Fokus nicht auf Heilung, Regeneration oder Fortpflanzung. 

Überwiegt die Aktivierung des Sympathikus, desto schwächer wird der Parasympathikus und es fällt uns zunehmend schwerer, Stress gesund zu regulieren und uns körperlich und mental zu entspannen.

 

Du kannst es dir auch so vorstellen: 

Du sitzt im Auto. Das Gaspedal ist der Sympathikus. Die Bremse der Parasympathikus. Du kannst nicht Vollgas fahren und gleichzeitig auf die Bremse drücken. 

Ein dysreguliertes Nervensystem ist die Folge

Wenn das gesunde Wechselspiel zwischen Stressmodus und Entspannungsmodus dauerhaft gestört ist, passt sich der Körper an den permanenten Dauerstresszustand an. Das hat Auswirkungen u.a. auf den Hormonhaushalt, die Gehirnfunktion sowie die Funktion des Vagusnervs.

Du reagierst viel sensibler auf Stress, bist ständig wachsam, scannst deine Umgebung auf mögliche Bedrohungen, willst im Vorfeld schon Worst-Case-Szenarien abfedern und bist viel ängstlicher.

 

Warum Frauen besonders anfällig für Dauerstress sind

Die Frau, die immer in Eile ist

Früher waren Frauen hauptsächlich für Kindererziehung und Haushalt zuständig. Arbeiten durften sie nur mit Zustimmung ihres Mannes gehen. Diese Rolle hat sich zum Glück in den letzten Jahrzehnten verändert. Dadurch ist aber auch die Belastung von Frauen enorm gestiegen.

Vor allem Frauen im Alter zwischen 30 und 50 leiden unter einer enormen Stressbelastung oder neigen zur Überforderung. Denn sie befinden sich in der „Rush Hour ihres Lebens“, wo einfach viel zusammen kommt.

Frauen wollen alles unter einen Hut bringen:

  • eine gute Ausbildung, Karriere machen und finanziell unabhängig sein
  • eine Familie gründen und ihre Rolle als Mama und Partnerin gut erfüllen
  •  Freundschaften pflegen, eine verlässliche Arbeitskollegin und tatkräftig im Verein mithelfen
  • eine Wohnung oder Haus kaufen bzw. bauen
  • Familienangehörige, die Hilfe benötigen oder pflegebedürftig werden, unterstützen

 

Zusätzlich kommt noch der hohe Leistungsdruck in unserer Gesellschaft sowie das Schönheitsideal hinzu. Frauen sehen ihren eigenen Wert oft nur darin, wie viel sie leisten bzw. wie schlank und schön sie sind. Das beginnt in der Jugend und setzt sich bis zum höheren Alter fort.

Frauen, die all diese hohen Ansprüche an sich selbst und fremden Erwartungen erfüllen wollen und dadurch in ständiger Eile durchs Leben hetzen und unter Druck sind – also die dauergestresste und erschöpfte Frau –  bezeichnet Dr. Libby Weaver als „Rushing Woman.

 

Frauen im Funktionsmodus und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit

Frauen, die ständig bemüht sind zu funktionieren und allen Erwartungen, die andere und sie selbst an sie stellen, gerecht zu werden, hängen biochemisch in einem permanenten Stressmodus fest, was auch als Sympathikusdominanz bezeichnet wird. Sie sind ständig unter Strom, angespannt und können nicht richtig abschalten – mit Folgen für die Gesundheit.

 

Chronischer Stress: Folgen für Körper und Frauengesundheit

Eine hohe Belastung über längere Zeit bringt diverse körperliche Systeme durcheinander. Der Körper kompensiert diese Stressbelastung durch eine vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen v.a. Cortisol. Dadurch bleiben wir im Stressmodus hängen. Es kommt zu vermehrten Entzündungen und oxidativem Stress. Der Körper gerät allmählich aus dem Gleichgewicht. Das Risiko für stressbedingte Erkrankungen bzw. Zivilisationskrankheiten unserer Zeit erhöht sich wie zB

  • Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen
  • Ängste und Depressionen
  • Autoimmunerkrankungen und chronische Entzündungen
  • Diabetes Typ II
  • Verdauungsstörungen
  • Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit
  • Krebs

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht Stress als DIE Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts an. Rund 95% aller chronischen Krankheiten hängen mit Stress zusammen oder werden dadurch ausgelöst. Das Interessante daran ist, dass lt. Stressforschern 95% der Stressoren mit unserer individuellen Interpretation einer Situation und Einstellung zusammen hängen und nur 5% auf äußeren Faktoren. 

Ob uns etwas stresst hängt damit zusammen, wie ich eine Erfahrung für mich interpretiere und bewerte. Stress entsteht also im Gehirn und das hat Auswirkung auf das Hormonsystem, das Immunsystem und die Genexpression.

 

Inwiefern wirkt Stress auf Dauer gesundheitsschädigend? Lass uns das mal genauer betrachten.

 

Das Gehirn verändert sich unter Stress

Stress schärft unsere Sinne. Wenn wir permanent im Überlebensmodus sind, fokussieren wir uns auf alle möglichen Probleme. Wir haben das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und das veranlasst uns, alles Mögliche zu tun, um sie wieder zurück zu gewinnen, indem wir versuchen, Worst-Case-Szenarien zu vermeiden. Das Gehirn läuft auf Hochtouren und ist in einem Zustand höchster Alarmbereitschaft. Stresshormone werden ausgeschüttet, denn unser Körper glaubt, dass diese Bedrohung jetzt in diesem Moment stattfindet. Durch die Stressreaktion will er unser Überleben sichern.

Dr. Joe Dispenza, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Neurowissenschaft, Epigenetik und Quantenphysik sowie Autor des Buches „Werde übernatürlich. Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen.“ erklärt die Funktion des Gehirns unter Stress folgendermaßen:

„Auf Dauer wird durch diesen gewohnheitsmäßig engen Fokus und das Hin- und Herspringen der Aufmerksamkeit das Gehirn gleichsam in Einzelteile aufgespalten und funktioniert nicht mehr ausgewogen. Dadurch wird das Gehirn darauf trainiert, in einem ungeordneten inkohärenten Muster und damit sehr ineffizient zu arbeiten. „

Vereinfacht gesprochen bedeutet das, dass die Gehirnwellen ungeordnet verlaufen. Gestresste Menschen weisen ein hochfrequentes Beta-Gehirnwellenmuster auf. Der Stresshormonpegel ist erhöht. Der Fokus ist auf die Außenwelt gerichtet. Das führt dazu, dass auch der Körper nicht effizient funktionieren kann. 

 

Meditation verändert unser Gehirn und unsere Biologie

Dr. Joe Dispenza zeigt in seiner bahnbrechenden Arbeit, wie sich durch die Praxis der Meditation die menschliche Biologie verändert und sich die Gesundheit zum Positiven verändern kann. In seinen „Advanced Workshops“ wurden Echtzeitmessungen der Teilnehmer:innen während der Meditation durch Wissenschaftler durchgeführt. Anhand von Gehirnscans vor, während und nach den Workshops konnte gezeigt werden, dass die Gehirne der Teilnehmer sich durch die Meditationen verändert haben: Das Gehirn arbeitete synchroner und kohärenter. 

Warum ist das wichtig?

Wenn unser Gehirn richtig funktioniert, funktionieren wir auch selbst richtig.

 

Stress hemmt das Immunsystem und fördert Entzündungen

Die Psycho-Neuro-Immuno-Endokrinologie ist ein junges Forschungsgebiet, wo die Wechselwirkung der Psyche sowie des Nerven-, Immun- und Hormonsystems untersucht wird. Dabei wurde u.a. die Erkenntnis gewonnen, dass Botenstoffe des Nervensystems auf das Immunsystem einwirken und umgekehrt. Das bedeutet, dass unser Gehirn die Funktion und Steuerung unserer Immunzellen beeinflusst. 

Dr. Hennig Saupe, ganzheitlicher Krebsspezialist und Autor des Buches „Krebs verstehen und ganzheitlich behandeln“ erklärt dazu: 

„Es wurde ebenfalls eindeutig dargestellt, wie chronischer Stress die Konzentration von Immunstoffen (Immunoglobulin-A) im Speichel senkt und dies zur vermehrten Ausschüttung von Nebennierenhormonen (Glukokortikoide) führt, die das Immunsystem (zum Beispiel die Zytokin-Produktion, Reaktivität von T- und B-Lymphozyten und natürliche Killerzellen hemmen. Die Neigung, Ärger zu unterdrücken statt ihn zu äußern, und ein höheres Maß an Angstgefühlen und Depression führen zu messbaren negativen Veränderungen unseres Immunsystems. Akuter Stress kann innerhalb weniger Minuten die Leistung des unspezifischen, angeborenen Immunsystems steigern. Chronischer Stress macht das Gegenteil! Er senkt sowohl die Leistung des angeborenen als auch die des adaptiven Immunsystems durch eine allgemeine Immunsuppression und führt zu Fehlfunktionen des Immunsystems, wie zum Beispiel der stillen Entzündung.“

 

Damit wir verstehen, wie es zu stillen Entzündungen kommt, die mit vielen Beschwerden und Krankheiten verbunden sind, müssen wir zunächst verstehen, wie das Immunsystem funktioniert.

 

Die Entzündung als „Waffe“ des Immunsystems

Unser Immunsystem ist ein komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Organen, Zellen und Eiweißen und hat die Aufgabe, unerlaubt eindringende „Gäste wie Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten zu beseitigen. Dazu nutzt erzeugt das Immunsystem eine Entzündung als natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Eine Entzündung ist also zunächst mal etwas Positives und ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.

 

Die akute Entzündung als natürliches Selbstheilungsprogramm

Unser Körper ist ein Wunder der Natur. Er hat alles, was er braucht, um sich selbst zu heilen. Das siehst du daran, wenn du zum Beispiel mit dem Fahrrad hinfällst und dir das Knie aufschürfst. Was passiert? Indem das Gewebe anschwillt, sich rötet und erwärmt, blutet, versucht der Körper Giftstoffe aus dem Körper zu befördern und gleichzeitig die betroffene Stelle wieder zu reparieren. Dieser Zustand einer akuten Entzündung hält in der Regel ein paar Tage oder Wochen an. 

 

Durch verschiedene Gründe werden jedoch Entzündungen im Körper aufrecht erhalten anstatt wieder „ausgeschaltet zu werden“. Es kommt zu Autoimmunerkrankungen. Viele der entzündlichen Erkrankungen erkennst du an der Endung „-itis“ wie zB

  • Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung)
  • Hashimoto-Thyreoiditis (Entzündung der Schilddrüse)
  • Colitis ulcerosa (autoimmune Darmschleimhautentzündung)

 

Chronische Entzündungen – wenn die Entzündung nicht mehr abschaltet

Im Gegensatz zur akuten Entzündung verläuft eine chronische Entzündung meist unbemerkt im Hintergrund. Deswegen wird sie auch als „stille Entzündung“ oder eng. Silent Inflammation bezeichnet. Diese unterschwellige Entzündung tut nicht weh und ist nicht offensichtlich. Dieser dauerhafte Entzündungszustand führt jedoch zu einer Zellschädigung. Durch die Bildung von freien Sauerstoffradikalen kommt es zur Übersäuerung, Sauerstoffarmut oder zu einer Veränderung des Energiestoffwechsels in den Zellen. Ein gefährlicher Nährboden für die Entstehung ernsthafter Erkrankungen.

Wie kommt es eigentlich zu diesen stillen Entzündungen und welche Rolle spielt Stress dabei?

Ursachen von Stillen Entzündungen (Silent Inflammation)

Wenn wir älter werden, nehmen chronische Entzündungen generell zu. Du hast vielleicht schon mal den Begriff „Inflammaging“ (Entzündungsaltern) gehört. Aber nicht nur ältere Menschen haben chronische Entzündungen. Auch jüngeren Frauen (und auch Männer) leiden an Beschwerden und Erkrankungen, die durch chronischen Entzündungen verstärkt oder sogar verursacht werden.

Diese Entzündungsprozesse werden durch eine entzündungsfördernde Ernährung, Umweltgifte, Bewegungs- und Schlafmangel sowie körperlichen, mentalen und emotionalen Stress verstärkt. 

Das bedeutet für uns, dass genau hier ein großer Hebel liegt: Wie wir altern d.h. ob die gesunden oder kranken Lebensjahre überwiegen, hängt stark von unserem Lebensstil ab. Hier gehört der Umgang mit Stress dazu.

 

Stress und stille Entzündungen

Stress steht also auch im Zusammenhang mit chronischen Entzündungen. Wenn Menschen permanent im Stressmodus verharren, ist der Körper auf das Aufspüren von Gefahren fokussiert und es werden ständig Entzündungsstoffe ausgeschüttet.

 

Wie findest du heraus, ob bei dir stille Entzündungen vorhanden sind?

Dr. Henning Saupe empfiehlt eine Blutabnahme, wo Entzündungsparameter untersucht werden:

  • CRP: CRP (C-reaktives Protein) ist ein Eiweißkörper, der während entzündlicher Erkrankungen ansteigt
  • Ferritin: Auch der Eisenwert Ferritin sollte untersucht werden, da er bei Entzündungsvorgängen erhöht sein kann
  • Darmflora: Untersuchung der Darm-Immunologie und gegebenenfalls Sanierung mit Nährstoffen
  • Mund- und Kieferraum: Auch Zähne können „Entzündungsherde“ darstellen, die erst durch eine spezielle Röntgenuntersuchung identifiziert werden können. 

 

Zusätzlich empfehle ich einen Omega-3 Test zu machen. Die beiden gemessenen Parameter im Blut, der Omega-3 Index und das Omega-3:Omega-6 Verhältnis, geben Aufschluss über den Zustand der Zellgesundheit und das Entzündungslevel im Körper. Ein Überschuss an Omega-6 Fettsäuren und ein Mangel an Omega-3 Fettsäuren sowie ein niedriger Omega-3 Index stehen ebenfalls im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen.

Die Firma Eqology, bei der ich Business Partnerin bin, bietet solche Omega-3-Selbsttests an. Bei Interesse melde ich gerne bei mir.  

Stille Entzündungen sind ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren: Ernährung, Umweltgifte, Übergewicht, Bewegungsmangel körperlicher, mentaler und emotionaler Stress. 

Frage dich, welche Faktoren bei deinen gesundheitlichen Themen mitspielen könnten und lasse dich auch professionell beraten, was du selbst tun kannst. Neben Stressmanagement ist auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung, Bewegung und Schlaf wichtig für körperliche, mentale und seelische Ausgeglichenheit. 

 

 

Wie chronischer Stress den Hormonhaushalt beeinflusst

Endokrine Drüsen (Hormondrüsen) dienen als Kontrollzentren im Körper und unterstützen die Kommunikation zwischen Nerven- und Hormonsystem, um das innere Gleichgewicht (Homöostase) aufrecht zu erhalten. Das machen sie, indem bestimmte Körperfunktion forciert oder gehemmt werden. Das erfolgt über die Ausschüttung der Hormone in die Blutbahn, wo sie an Körperzellen verteilt werden, um verschiedene Körperfunktionen zu koordinieren. 

Die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) stellt dabei die Steuerungszentrale des Hormonsystems dar. Sie teilt den Drüsen mit, welche Hormone erzeugt werden sollen. Diese Hormone bilden ein Orchester und steuern zusammen grundlegende Körperfunktionen wie u.a. Körpertemperatur, Fortpflanzung, Stoffwechselaktivität, Stressreaktion, Blutdruck, Schlaf-Wach-Rhythmus.

Um uns rundum wohlzufühlen, ist ein ausgeglichener Hormonhaushalt wichtig. Eine Störung dieses hormonellen Gleichgewichts kann zu gesundheitlichen Problemen führen. 

 

Der weibliche Zyklus als Stressbarometer

Der weibliche Körper reagiert sehr sensibel auf Dauerstress und kann als unser inneres Stressbarometer angesehen werden. Bei Dauerstress geht der Körper davon aus, dass die Situation, in der er sich gerade befindet, nicht sicher ist und somit auch nicht sicher, ein Kind in die Welt zu setzen. Deshalb meldet das Gehirn an die Eierstöcke, dass sie die Hormonproduktion runterfahren sollen. Dadurch kann es in weiterer Folge zu Zyklusstörungen kommen wie:

  • starke und schmerzhafte Perioden (Dysmenorrhoe)
  • ausbleibende Perioden (Amenorrhoe)
  • Prämenstruelle Beschwerden (PMS)
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Endometriose 
  • Unfruchtbarkeit

können die Folge sein.

 

Stress als Verstärker in den Wechseljahren

Durch den schwankenden Hormonhaushalt in den Wechseljahren kann es zu unterschiedlichen Beschwerden kommen. Stress und Entzündungen können diese Beschwerden noch weiter verstärken wie zB Ängste, Gelenkschmerzen oder Hitzewallungen.

 

3 Wege, um dein Nervensystem zu regulieren und Stressfolgen zu reduzieren

Viele Belastungen sind für uns unsichtbar geworden wie hoher Leistungsdruck im Job, permanente Erreichbarkeit, Reizüberflutung, Zukunftssorgen, finanzielle Unsicherheit und soziale Konflikte. Viele kleine Stressoren lassen den Belastungsberg immer größer werden. Wir nehmen in jedoch nicht mehr als Stress wahr, weil wir uns daran gewöhnt haben. Unser Nervensystem reagiert trotzdem darauf und es bleibt im Stressmodus.

Für unsere Gesundheit und Wohlbefinden ist ein reguliertes Nervensystem, also ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sympathikus (Stressmodus) und Parasympathikus (Entspannungsmodus) sehr wichtig. Deshalb ist es hilfreich, Techniken zur Stressbewältigung zu erlernen und in den Alltag zu integrieren. Mit Achtsamkeits- und Entspannungstechniken signalisierst du deinem Nervensystem Sicherheit und stärkst dein parasympathisches Nervensystem und damit einen gesunden Umgang mit Stress.

Die medizinische Behandlung von Entzündungsherden sowie eine effektive Entzündungsregulation sind wichtig für langfristige Gesundheit und Wohlbefinden und um das Risiko für chronische Erkrankungen zu reduzieren. Dabei können einerseits eine entzündungshemmende Ernährung und Mikronährstoffe wie Omega-3 Fettsäuren unterstützen. Auf der anderen Seite können auch nervensystemregulierende Techniken wie Atemarbeit und Yoga helfen, Entzündungsmarker im Körper zu senken.

 

Schlüssel Nr. 1: Dein Atem als Fernbedienung für dein Nervensystem

Wir atmen rund 20.000 am Tag. Im Trubel des Alltags nehmen wir jedoch nicht wahr, wie wir eigentlich atmen. Unser Atemmuster spiegelt uns, ob wir gestresst oder entspannt sind. Bei Stress atmen wird eher flach, kurz und hastig. Es bewegen sich meist nur Brustkorb und Schlüsselbeine. Dieses Atemmuster lässt den Stressmodus aktiviert (Sympathikus).

Langsame und tiefe Atemzüge, die das Zwerchfell miteinbeziehen, aktivieren hingegen das parasympathische Nervensystem, den Entspannungsmodus. Dadurch vermittelt ein tiefer Atem dem Körper Sicherheit. 

 

Atemübung:

  • Finde einen bequemen Sitz. Richte deinen Oberkörper auf, Schultern locker, lege deine Hände gemütlich auf den Oberschenkeln ab. Atme tief ein, roll dabei die Schultern hoch zu den Ohren und nach hinten unten. Atme lösend über den Mund aus und schließe deine Augen.
  • Beginne nun deinen Atem in einen gleichmäßigen Rhythmus zu bringen, indem du deinen Atem zählst und vertiefst.
  • Atme ein und zähle bis 4..
  • Mache eine Atempause zähle bis 4.
  • Atme aus und zähle bis 4.
  • Mache wieder eine Atempause und zähle bis 4.
  • Wiederhole die Sequenz etwa 10 mal.
  • Danach lässt du das Zählen wieder sein und findest zurück in deinen natürlichen Atemrhythmus.
  • Spüre wieder zurück in deinen Körper und wenn du soweit bist, öffne deine Augen.

 

Wirkung von Atemtechniken (Breathwork):

  • Direkter Einfluss auf das Nervensystem: Tiefe, bewusste Atemzüge aktivieren den Parasympathikus
  • Fokus und Präsenz: Der Atem dient als Anker im Hier und Jetzt. Während der Übung lenken wir unsere Aufmerksamkeit vom Gedankenkarussell hin zu einem bewussten Erleben.
  • Bessere Sauerstoffversorgung: Tiefer Atem verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers und wirkt revitalisierend.
  • Emotionaler Ausgleich: Atemtechniken helfen, Emotionen zu regulieren und Stressgefühle zu mildern.

 

Schlüssel Nr. 2: Restorative Yoga – Ruhe durch Bewegung

Restorative Yoga ist eine wirksame Form von Yoga im Stressmanagement, die hilft, das Nervensystem zu regulieren und die Gesundheit zu unterstützen.

 

Wirkung von Restorative Yoga:

  • fördert innere Ruhe und Gelassenheit
  • reduziert negative Auswirkungen von Stress und kann stressbedingten Erkrankungen vorbeugen und das Immunsystem unterstützen
  • unterstützend bei Bewältigung von Ängsten und Depression
  • fördert erholsameren Schlaf
  • löst muskuläre Verspannung
  • schenkt Energie

 

Restorative Yoga ist aktive Entspannung. Es geht darum, mit deiner Energie zu arbeiten, nicht gegen sie. Es ist die einzige Yogaform , bei der du keine Energie aufwenden musst, um Energie zu gewinnen.

 

Bettina Nußdorfer Yoga für Frauen
Restorative Yoga für tiefe Entspannung

Schlüssel Nr. 3: Entzündungen reduzieren mit Ernährung und Mikronährstoffen

Chronische, stille Entzündungen spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Frauengesundheit. Sie werden vor allem durch eine entzündungsfördernde Ernährungsweise mit viel Zucker, Weißmehlprodukten, Fertigprodukten und ungesunden Fetten sowie Stress und Bewegungsmangel begünstigt. Dieser schwelende Entzündungszustand führt in weiterer Folge zur Zellschädigung, einem gehemmtem Immunsystem und Stoffwechselstörungen.

 

Durch eine entzündungshemmende Ernährungsweise und bei Bedarf (Spoiler: die meisten haben einen Nährstoffmangel) Unterstützung mit Mikronährstoffen kann der Körper bei einer effektiven Entzündungsregulation unterstützt werden.

Eine entzündungshemmende Ernährung ist:

  • reich an Obst und Gemüse wie zB Beeren, Ingwer oder Kurkuma
  • arm an stark verarbeiteten Lebensmitteln und zuckerreduziert
  • reich an guten Fetten wie zB Omega-3 Fettsäuren (Fisch- oder Algenöl)

 

Fazit:

Chronischer Stress beeinflusst unser Nervensystem, Hormonhaushalt, Immunsystem und zahlreiche weitere Prozesse im Körper. Gerade Frauen reagieren sensibel auf dauerhafte Belastungen. Zyklusbeschwerden, unerfüllter Kinderwunsch, Wechseljahresbeschwerden, Erschöpfung oder chronische Entzündungen können deshalb auch Ausdruck eines Körpers sein, der über längere Zeit im Überlebensmodus feststeckt.

Die gute Nachricht ist: Unser Nervensystem ist anpassungsfähig. Es kann lernen, sich wieder sicher zu fühlen. Mit kleinen, regelmäßigen Schritten wie bewusster Atmung, Entspannung, Bewegung, einer entzündungshemmenden Ernährung und einer guten Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen können wir unserem Körper wieder die Voraussetzungen schenken, die er für Regeneration und Gesundheit braucht.

Vielleicht kannst du nicht alle Stressoren in deinem Leben verändern. Aber du kannst lernen, anders mit ihnen umzugehen und deinem Nervensystem immer wieder Momente der Sicherheit zu schenken. Genau darin liegt eine große Chance – nicht nur Beschwerden zu lindern, sondern langfristig deine Gesundheit, deine Resilienz und dein Wohlbefinden zu stärken.

Dein Körper arbeitet nicht gegen dich. Er versucht jeden Tag, dich zu schützen. Wenn du beginnst, seine Signale zu verstehen und ihm die Unterstützung gibst, die er braucht, kann daraus Schritt für Schritt wieder mehr Energie, innere Ruhe und Vertrauen entstehen.


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Tag 1: Ankommen & Innehalten

Tag 2: eine wirksame Atemübung, um dein Nervensystem zu regulieren und Körper & Geist in Einklang zu bringen

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Du bekommst an 3 Tagen täglich eine E-Mail mit einer kurzen Übung und praktischen Tipps zugeschickt.


Literaturquellen:

Dispenza, Joe (2024): Werde übernatürlich. Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen. KOHA Verlag

Hof Laura & Isabelle (2025): Die Wim Hof Methode für Frauen. Die Kraft von Kälte und Atmung, für hormonelle Balance, ganzheitliche Gesundheit und die Entfaltung des inneren Potentials. INTEGRAL Verlag.

Kieß, Rabea (2024): Hormon Balance ab 40. Die 5 Schlüssel zu Energie, Wohlbefinden und Lebensfreude in den Wechseljahren. ZS Verlag.

Lorenz, Jana (2025): Vagusnerv stärken in 5 Minuten. Raus aus dem Stress. Montoro Verlag

Saupe, Henning (2021): Krebs verstehen und ganzheitlich behandeln. Integrative Strategien für einen neuen Umgang mit Krebs. VAK Verlag.

Weaver, Dr. Libby (2020): Das Rushing Woman Syndrom. Was Dauerstress unserer Gesundheit antut. TRIAS Verlag


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Bettina Nußdorfer (2)

Hi, ich bin Bettina!

und als Dipl. Mental- und Achtsamkeitstrainerin, Yogalehrerin für Frauengesundheit und Mikronährstoff Coach i.A. unterstütze ich Frauen wie dich dabei, deine Gesundheit und persönliches Glück in besonderen Lebensphasen deines Frau-Seins in den Fokus zu stellen – für mehr Wohlbefinden, Energie und Begeisterung an einem Leben, das sich ganz nach dir anfühlt.

Nach meiner herausfordernden Kinderwunschreise und Krebserkrankung habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, was es braucht, um Gesundheit zu erhalten und zu fördern – damit wir ein möglichst langes, gesundes und glückliches Leben mit hoher Lebensqualität führen können. Meine Mission „chronisch gesund sein“.

Und ich bin der Meinung, dass kein Weg daran vorbei führt, den Blick nach innen zu wenden. Denn Gesundheit und Wohlbefinden beginnt in uns selbst. Mehr über mich erfährst du hier.

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